Bücher der Illustratorin Julia Neuhaus:

Morgens früh um sechs

 

Die Geschichte von der beflissenen hauswirtschaftenden Dame zählt zu den bekanntesten, zurecht unverwüstlichen Kindertexten Deutschlands, gehört seit Generationen zum literarischen Kanon. Wer jedoch ist der dicke Heinz, der pünktlich um halb eins unübersehbar die Bildfläche betritt, der frisst für zwei bis um drei, der »Schularbeiten macht ... zwischen fünf und sechs« und dem »beim Hexeneinmaleins hilft die kleine Hex'«?

 

Voller Sprachwitz und mitreißender Lust am Fabulieren hat Jens Sparschuh einen der schönsten deutschsprachigen Kinderreime fortgeschrieben. Und geradezu umwerfend sind die Illustrationen von Julia Neuhaus, mit denen sie den Weg der fleißigen, sich voll auf der Höhe der Zeit befindlichen Hexe durch den Tag begleitet.

 

Julia Neuhaus' Collagen leben bis ins kleinste der vielen Details, ihre Bilder scheinen sich zu bewegen: wenn etwa die giftgrün gekleidete, doch rundum sympathische weibliche Heldin über die einem Laufrad ähnelnde Erde rennt, sie auf ihrem Besen die Welt umschwebt, oder mit Heinz in die Glotze schaut – einer Konstruktion übrigens, die selbst dem Altmeister fröhlicher Kunstmaschinen, Jean Tinguely, zum Ruhm gereicht hätte.

 

Hinstorff Verlag, Rostock; ISBN 978-3-356-01327-6; Text von Jens Sparschuh; durchgehend farbig illustriert; Hardcover; ab 5; 24 S.; 14,90 €

 

Ausgezeichnet von der Stiftung Buchkunst als eines der Schönsten Bücher 2009 und nominiert für den Deutschen Designpreis 2011!

Ichmagnicht ... oder wie der Mann Envälitä auf die Katze kam

 

Ein kleines Haus am Waldrand, ein Mann, eine Katze – eine Idylle! Eine Idylle? Denkste!! Denn was soll eine Katze bei einem Mann, der Envälitä heißt, ein Name, der so viel bedeutet wie »Ichmagnicht«, bei einem Mann, der niemanden besucht und den niemand sonst besucht, einem Mann, der nichts für Städte übrig hat und nichts für Dörfer, der Menschen nicht mag und Tiere erst recht nicht.

Und eine Katze ist nun mal … richtig: ein Tier! 

 

Auch wenn es erst nicht so aussieht: Marjaleena Lembcke erzählt die Geschichte einer großen Freundschaft. Denn – Katzenliebhaber wissen es – den manchmal fauchenden, manchmal schnurrenden Wesen liegt es fern, schwanzwedelnd oder winselnd den Weisungen des Herrchens zu folgen. Sie haben ihren eigenen Willen. So sind sie denn keineswegs leicht aus einem Haus zu bugsieren, welches sie sich als Wohnstätte gewählt haben. Und man kann sie auch nicht einfach vergessen, selbst wenn man Envälitä heißt und Tiere nicht mag. Wirklich nicht mag? 

 

Eine in der für Marjaleena Lembcke typischen Art verfasste Geschichte, wunderbar unaufdringlich, still und zugleich voller erwärmender Atmosphäre. Bestens illustriert von Julia Neuhaus, die das Gesicht von Envälitä zur Landschaft werden lässt, die des Mannes Ablehnung zeigt und sein zunehmendes Erstaunen, die das Selbstbewusstsein der Katze präsentiert und ihre Furchtlosigkeit. Ein Bilderbuch, das beweist, dass der erste Eindruck nicht immer Bestand haben muss, dass selbst ein trotziges »Ichwillnicht« an Kraft verlieren, vergehen kann – und dass Freundschaft nicht immer vom Himmel fällt, aber manchmal schon im Badezimmer sitzt …

 

Hinstorff Verlag, Rostock; ISBN 978-3-356-01416-7; Text von Marjaleena Lembcke; durchgehend farbig illustriert; Hardcover; ab 5; 32 S., 14,95 €