Inklusion ist ein Menschenrecht – für alle Schüler*innen und in allen Schulen!

 

Presseerklärung anlässlich des Artikels „Göttinger Gymnasium platzt aus allen Nähten“ im „Göttinger Tageblatt“ vom 27.02.2020

 

Am 27.02. berichtete das Göttinger Tageblatt über den Besuch von Ratsmitgliedern der Stadt Göttingen im Otto-Hahn-Gymnasium anlässlich eines „Tages der offenen Tür“. Das Gymnasium hatte seine Türen geöffnet, um einen Einblick in die als prekär wahrgenommene Raumsituation zu gewähren. Neben den Kommunalpolitiker*innen nahm auch Erich Wutschke vom Beirat für Menschen mit Behinderungen das Angebot des OHG wahr.

Herr Wutschke wird in diesem Artikel mit der Aussage zitiert, dass es verständlich sei, dass das OHG die Inklusion ablehne, da sie räumlich nicht umsetzbar sei. Aus der Sicht des GEW-Kreisverbandes stellt sich die Frage: Kann man Inklusion ablehnen?

Laut Artikel 4 der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen wird allen Menschen mit Behinderungen eine diskriminierungsfreie Teilhabe an der Gesellschaft garantiert. Es handelt sich um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die in Betrieben, Verwaltungen, der Zivilgesellschaft und gerade im Bildungssystem eingelöst werden muss. Daran anknüpfend ist die Inklusion im niedersächsischen Schulgesetz verankert worden. Jede Schule im Land ist inklusiv und in diesem Sinne ist die Inklusion Aufgabe aller in Schule Beschäftigten und aller Schulformen. Man kann also zusammenfassend sagen: Nein, keine Schule kann Inklusion ablehnen!

Inklusive Schule ermöglicht nicht nur die Selbstverwirklichung und gleichberechtigte Teilhabe von Kindern und Jugendlichen mit einer geistigen und körperlichen Beeinträchtigung. Vielmehr ist es die Aufgabe der Schulen, jedem Kind mit seinen individuellen Fähigkeiten und Bedürfnissen gerecht zu werden.

 

Der Konflikt zwischen Anspruch und Wirklichkeit

So viel zur Theorie. In der Praxis sieht die Inklusion allerdings anders aus. Würde man einen Blick in die allgemein bildenden Schulen und vor allem die integrierten Systeme tun, die die Inklusion im engen Sinne zu den größten Teilen schultern, würde man sehr schnell bemerken, dass bereits die personelle Versorgung völlig unzureichend ist. Die Zahl der Stunden für Förderschullehrkräfte, die sich aus dem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf von Kindern und Jugendlichen ergibt, kann nur zu maximal 75% gewährleistet werden. Die fehlenden 25% müssen in der Folge innerhalb des schulischen Systems kompensiert, und zwar weitgehend ohne fachliche Kompetenz bzw. Fortbildung.

Aber auch der Blick auf die räumliche Ausstattung führt zur Ernüchterung: Viele Göttinger Schulen können die räumlichen Anforderungen an ein inklusives Arbeiten nicht erfüllen oder sind weit davon entfernt. Differenzierungs- und Therapieräume, angemessenes Mobiliar, Rampen und Personenaufzüge, Sitzgelegenheiten außerhalb der Klassenräume – häufig Fehlanzeige! Zudem sind Schulgebäude geprägt von finanziellen Erwägungen und Sparzwang, nicht aber von pädagogischen Überlegungen.

 

Alle Göttinger Schulen sind inklusiv!

Die Göttinger Schulen kämpfen mit den personellen und den räumlichen Bedingungen und jede ist bemüht, dem Anspruch der guten Schule zu erfüllen. Zum schulischen Auftrag gehört aber eben auch, Inklusion zu gewährleisten – in allen Schulformen. Erst dann kann der Anspruch auf das Recht der uneingeschränkten Teilhabe an der Bildung für alle Menschen eingelöst werden. Dieses Recht kann nicht abgelehnt werden. Damit dieses Menschenrecht nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, müssen an allen Schulen die Voraussetzungen zur konkreten Umsetzung geschaffen werden. Dementsprechend muss die Stadt Göttingen als Schulträger die Gelingensbedingungen für die gute und inklusive Schule an allen Schulstandorten entsprechend den Bedarfen gewährleisten. Und die personelle Ausstattung? Hier muss das Kultusministerium ran: Die Kolleg*innen fortbilden, Lehrer*innen einstellen – über 100 % hinaus – und Menschen im Lehrer*innenberuf ausbilden! 

Einladung zum Fachgruppenseminar

Fachgruppe Sonderpädagogik

Wann: Donnerstag, 28. Mai bis Freitag, 29. Mai 2020

Wo: Akademie Waldschlösschen, Gleichen

 

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

 

wir laden euch herzlich zu einem Fachgruppenseminar ein. Der Ablauf ist wie folgt geplant:

 

Donnerstag, 28.05.:

     15:00 Uhr Anreise und Kaffee/Kuchen

     16:00 Uhr Fachgruppensitzung

     18:30 Uhr Abendessen

     20:00 Uhr Film mit anschließender Diskussion

Freitag, 29.05.:

     09:00 - 13:00 Uhr "Ben und Stella wissen Bescheid" -

          Präventions- un dBildungskonzept zum Schutz von

          Mädchen und Jungen mit Behinderng vor sexualisierter Gewalt

     13:00 Uhr Mittagessen, danach Abreise

 

Bitte meldet euch verbindlich bis Sonntag, den 15.03.2020 bei uns an. Verpflechung/Unterkunft für GEW-Mitglieder kostenlos; Nicht-Mitglieder zahlen einen Beitrag von 95,50 €.

 

Mit freundlichen Grüßen

Charlotte Dornhoff und Gerlinde Ströer